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Facility Management in der Lebensmittelindustrie

Hygiene als oberstes Ziel

Infrastrukturelles Facility Management wie Industriereinigungs-, Gebäudereinigungs- und Winterdienste lassen sich an das externe Unternehmen ausgelagern
Infrastrukturelles Facility Management wie Industriereinigungs-, Gebäudereinigungs- und Winterdienste lassen sich an das externe Unternehmen ausgelagern
Zu den Leistungen des FM-Dienstleisters gehört auch das technische Facility Management
Zu den Leistungen des FM-Dienstleisters gehört auch das technische Facility Management

Der Kostendruck im Lebensmitteleinzelhandel steigt. Folglich steigt die Zahl der Lebensmittelhersteller, die gebäude- oder anlagenbezogene Dienstleistungen auslagern. Wichtig ist hierbei, dass der jeweilige Dienstleister den hohen Qualitäts- und Hygieneanforderungen im Lebensmittelbereich gerecht werden kann. Dies lässt sich durch hoch qualifiziertes Personal und somit hohe Leistungseffizienz im Bereich der Sekundärprozesse erreichen.

In der Industrie vergeben immer mehr Unternehmen ihre gebäude- und anlagenbezogenen Tätigkeiten an spezialisierte Facility-Management-Dienstleister. Dieses Leistungsoutsourcing der Sekundärprozesse ermöglicht die noch stärkere Konzentration auf das Kerngeschäft mit klarer Erhöhung von Qualitäts- und Produktionseffizienzen. Was sind die Besonderheiten der Ernährungs- und Lebensmittelindustrie, die es beim Facility Management (FM) zu berücksichtigen gilt? Zunächst einmal sind die Hygieneanforderungen wesentlich höher als bei Industrieunternehmen vieler anderer Wirtschaftszweige. Die Qualität des hergestellten Produkts ist wesentlich mit der Qualität der jeweiligen FM-Dienstleistung verknüpft. Der FM-Dienstleister wird Teil des Herstellungs- und Wertschöpfungsprozesses der jeweiligen Lebensmittelproduktion. Dies erfordert ein präzise auf das individuelle Lebensmittelunternehmen abgestimmtes Hygienekonzept. Aufbauend auf der Lebensmittelhygieneverordnung sowie internationalen Hygieneanforderungen ist das sogenannte HACCP-Konzept der Ausgangspunkt für ein individuelles Hygienekonzept. Es steht für die Gefahrenanalyse und das Identifizieren kritischer Lenkungspunkte, um Gefahren für das jeweilige Gut im Vorfeld auszuschließen. Viele Unternehmen der Ernährungsindustrie wählen ihre FM-Dienstleister danach aus, wie gut das Hygienekonzept auf die spezifischen Anforderungen abgestimmt ist.

Qualität der Mitarbeiter

Aus den hohen Hygieneansprüchen erwachsen hohe Anforderungen an die Mitarbeiter von FM-Unternehmen, die auf die Ernährungsindustrie spezialisiert sind. Daher bildet der Dienstleister seine Mitarbeiter individuell fort und bereitet sie auf die Anforderungen im Lebensmittelbereich vor. Vor einem Einsatz in einem bestimmten Unternehmen erfolgen weitere, auf den jeweiligen Kunden abgestimmte Schulungen. Wichtig ist zudem, dass die eingesetzten Projektteams über ausreichend Erfahrung in der Lebensmittelindustrie verfügen.

Der Aus- und Fortbildungsaufwand bedeutet für den FM-Dienstleister, dass er direkten Zugriff auf die Mitarbeiter haben muss. Der Einsatz von Sub-Dienstleistern, bei denen die Auswahl und Einteilung der Mitarbeiter nicht beim FM-Dienstleister selbst liegt, darf beispielsweise keine hygienesensiblen Bereiche umfassen. Folglich sollte die Eigenleistungstiefe des Dienstleisters im Idealfall so groß sein, dass er auf den Einsatz zusätzlicher Dienstleister weitgehend verzichten kann. Ein weiterer Aspekt, um eine hohe Qualität gewährleisten zu können: Sowohl für die interne Kontrolle als auch für die Darstellung gegenüber dem Auftraggeber führt der Dienstleister eine permanente Dokumentation der erbrachten Leistungen durch.

Prozesse verschmelzen

Darüber hinaus spielt das Verhältnis von Primär- zu Sekundärprozessen beim Outsourcen von FM-Dienstleistungen in der Ernährungsindustrie eine wichtige Rolle. Das externe Unternehmen übernimmt zwar auf den ersten Blick nur Sekundärprozesse rund um die Immobilie und die Anlagen. Diese Sekundärprozesse müssen jedoch reibungslos in die Primärprozesse, also die Produktion bestimmter Lebensmittel, integriert werden. Ziel ist die Höchstverfügbarkeit der Anlagen. Wenn eine Produktionslinie zu Reinigungs- oder Wartungszwecken heruntergefahren wird, muss sie nach erfolgter Reinigung bzw. Wartung sofort wieder einsatzfähig sein. Ist dies nicht der Fall, wird der Primärprozess durch den nicht optimalen Sekundärprozess verzögert.

Die Verzahnung von Herstellungs- und Wartungs- oder Reinigungsprozessen wird auch bei der Umstellung einer Produktionslinie auf ein neues Produkt deutlich. Da in diesem Fall die Produktionslinie ohnehin kurzzeitig stillsteht, bietet sich der Zeitpunkt für Wartungs- und Reinigungsarbeiten besonders an. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Kommunikations- und Reaktionszeiten des FM-Dienstleisters kurz sind. Denn in vielen Fällen ist der exakte Zeitpunkt, wann eine Umstellung auf ein neues Produkt erfolgt, nicht langfristig planbar. In der Praxis sind die Projektteams des FM-Dienstleisters daher mit einer eigenständigen Projektorganisation permanent vor Ort, um die erforderliche Flexibilität darstellen zu können.

Aus der Praxis

Der Facility-Management-Dienstleister Piepenbrock ist für einen der weltweit größten Lebensmittelhersteller tätig, der zahlreiche namhafte Markenprodukte fertigt. Die beauftragten Dienstleistungen umfassen mehrere Standorte mit verschiedenen Leistungen sowohl aus dem infrastrukturellen Facility Management, beispielsweise Industriereinigungs-, Gebäudereinigungs- und Winterdienste, sowie aus dem technischen Facility Management. Die Größe der Standorte variiert, wobei einzelne Liegenschaften Größenordnungen von 15 000 m2 Gebäudefläche sowie weitere 10 000 m2 Außenanlagen deutlich überschreiten. Die Gebäude umfassen in der Regel mehrere Produktionslinien, Flur- und Sanitärbereiche sowie Flächen für die Verwaltung.

Die Gründe, aus denen sich besagtes Unternehmen für einen externen FM-Dienstleister entschieden hat, stehen exemplarisch für die Entscheidung vieler Lebensmittelhersteller. Am Anfang stand der Wunsch, sich stärker auf die Kernprozesse zu fokussieren. FM-Leistungen zählten entsprechend zu den Bereichen, in denen das Unternehmen Auslagerungspotenzial sah. Bei der Auswahl des Dienstleisters haben unter anderem die Erfahrung in der Betreuung von Gebäuden und Anlagen der Ernährungsindustrie, ein passendes Qualitäts- und Hygienekonzept sowie die Vor-Ort-Präsenz des FM-Personals eine wichtige Rolle gespielt. Hinzu kam in diesem konkreten Fall, dass die Implementierung der FM-Leistungen innerhalb kürzester Zeit erfolgen sollte – es standen nur drei Wochen von der Auftragsvergabe bis zur Leistungsaufnahme zur Verfügung.

Online-Info www.dei.de/0511475

Andy Röben

04.05.2011


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