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Life-Cycle-Fitness von Prozessleitsystemen

Unter der Lupe

Um die Produktivität prozessleittechnischer Systeme dauerhaft zu erhalten oder zu erhöhen, muss deren Leistungsfähigkeit aus einer Lebenslaufsicht heraus beurteilt werden
Prozessleitsysteme erreichen heute leicht Lebensdauern von mehr als 20 Jahren – die richtige Pflege und Wartung vorausgesetzt. Mit dem Life-Cycle-Index können Betreiber die Produktivitätspotenziale und -risiken ihrer Leitsysteminstallationen objektiv erfassen, beurteilen und planen. Die Erfahrungen aus mehr als 80 indexierten Kundenanlagen zeigen: Es gibt zwei grundlegende Typen von Anlagenbetreibern – den Produktivitätsoptimierer und den Produktivitätserhalter.
Um die Produktivität prozessleittechnischer Systeme dauerhaft zu erhalten oder zu erhöhen, muss deren Leistungsfähigkeit aus einer Lebenslaufsicht heraus beurteilt werden
Um die Produktivität prozessleittechnischer Systeme dauerhaft zu erhalten oder zu erhöhen, muss deren Leistungsfähigkeit aus einer Lebenslaufsicht heraus beurteilt werden
Mit dem Life-Cycle-Index können Betreiber die Produktivitätspotenziale und -risiken ihrer Leitsysteminstallationen objektiv erfassen
Mit dem Life-Cycle-Index können Betreiber die Produktivitätspotenziale und -risiken ihrer Leitsysteminstallationen objektiv erfassen
Anlagenbetreiber lassen sich in zwei grundlegende Typen einordnen: Produktivitätserhalter – Produktivitätsoptimierer
Anlagenbetreiber lassen sich in zwei grundlegende Typen einordnen: Produktivitätserhalter – Produktivitätsoptimierer

Prozessleitsysteme erreichen heute leicht Lebensdauern von mehr als 20 Jahren – die richtige Pflege und Wartung vorausgesetzt. Mit dem Life-Cycle-Index können Betreiber die Produktivitätspotenziale und -risiken ihrer Leitsysteminstallationen objektiv erfassen, beurteilen und planen. Die Erfahrungen aus mehr als 80 indexierten Kundenanlagen zeigen: Es gibt zwei grundlegende Typen von Anlagenbetreibern – den Produktivitätsoptimierer und den Produktivitätserhalter.

Um die Produktivität und Zukunftssicherheit prozessleittechnischer Systeme dauerhaft zu erhalten oder sogar zu erhöhen, muss deren Leistungsfähigkeit aus einer Lebenslaufsicht heraus beurteilt werden. Hierzu setzt der Bereich Service Control der ABB den Life-Cycle-Index ein, mit dem der Produktivitätsstatus von Prozessleitsystemen kontinuierlich gemessen und beurteilt werden kann. Eine Indexierung deckt potenzielle Stärken, aber auch Produktivitätsrisiken in Bezug auf die von der Unternehmensleitung geplanten Leistungsziele auf.

Das ermittelte Indexprofil bildet dann die Grundlage für Maßnahmenpakete zur Optimierung der Produktivität und der Zukunftsfähigkeit einer Anlage. Die Erfahrungen aus mehr als 80 indexierten Kundenanlagen zeigen, dass sich Anlagenbetreiber dabei in zwei grundlegende Typen einordnen lassen.

Kontinuierlich optimiert

Der erste Betriebstyp kann als kontinuierlicher Produktivitätsoptimierer charakterisiert werden. Derartige Chemieanlagen (bzw. die mit ihnen erzeugten Produkte) unterliegen zumeist einem starken Wettbewerb, sodass der Rationalisierungsdruck entsprechend hoch ist. Aber auch Versorgungskraftwerke z. B. für die Bereitstellung von Strom oder Dampf etc. lassen sich diesem Typ zuordnen, denn der Aufwand zur Gewährleistung der erfolgskritischen Verfügbarkeit ist entsprechend ambitioniert.

Dieser Anlagentyp setzt fast ausnahmslos proaktive Life-Cycle-Management-Strategien ein, um die Zukunftsfähigkeit des Systems abzusichern. Die Anlagenbetreiber nutzen insbesondere die Möglichkeiten moderner IT-Systeme und Tools, um aus den Produktionsdaten die Ansätze für weitere Verbesserungen und Systemabsicherungen zu entwickeln. Fehler und Potenziale werden analysiert und in kontinuierlichen Verbesserungsmaßnahmen abgearbeitet und konsequent umgesetzt. Unternehmen mit hohen Rationalisierungsanforderungen betreiben ihre Anlagen fast ausnahmslos mit moderner Systemtechnik und investieren zusätzlich im Bereich der Ausfallprävention und im Notfallmanagement. Gerade im Bereich der Chemie spielt dabei das Thema Alarmmanagement und die Optimierung von Regelkreisen eine wichtige Rolle, um die Betriebssicherheit zu erhöhen und weitere Rationalisierungspotenziale zu heben. Die aktive Systempflege und die Nutzung innovativer Technologiefeatures („ Technologieführerschaft") sind integraler Bestandteil der internen Life-Cycle-Strategie. Aufgrund der schnellen Technologiezyklen ist der Schulungsbedarf entsprechend hoch.

Produktivität erhalten

Der zweite Typ von Anlagenbetreibern lässt sich als Produktivitätserhalter beschreiben. Bei diesem Typ stehen weniger Leistungssteigerungen im Vordergrund als vielmehr der Erhalt des Status quo über einen langen Zeitraum. Die eingesetzte Anlagentechnologie ist dabei weitgehend von den Innovationszyklen der Automationstechnik (Hard- und Software) abgekoppelt. Die Migrationsneigung ist gering, die Zukunftssicherheit des Systems wird vornehmlich durch Sondervereinbarungen (z. B. Laufzeitverlängerungsverträge) abgesichert. Betreiber von Chemieanlagen, die vornehmlich auf die Aufrechterhaltung der Produktivität fokussieren, operieren im Schnitt mit älterer Systemtechnik und decken die Ausfallrisiken vornehmlich durch die Etablierung von umfangreichen Notfallstrategien ab, um im Bedarfsfall auf externe Hilfe oder eine umfangreiche und schnelle Ersatzteilversorgung zurückgreifen zu können. Aufgrund der langjährigen Systemerfahrung ist der Schulungsbedarf eher gering ausgeprägt.

Maßgeschneidertes Paket

Die Indexierungen in der Chemieindustrie zeigen, dass insbesondere die ambitionierten Unternehmen über ausgeprägte Life-Cycle-Strategien verfügen, um ihre Produktivitätsziele zu erreichen. Der Life-Cycle-Index in Verbindung mit der Kenntnis der jeweiligen Betriebstypologie ermöglicht es, langfristige Strategien zu entwickeln, um die kundenseitigen Anlagenziele optimal zu unterstützen und abzusichern. Die Marktführer erreichen durch das Life-Cycle-Management ihrer Anlagen Wettbewerbsvorteile, die sich in einem durchschnittlich 30 % höheren Life-Cycle-Index niederschlagen.

Der Branchenindex Chemie zeigt insgesamt jedoch ein sehr inhomogenes Bild, bei dem sich neben den beiden dargestellten Polen auch diverse Mischformen finden. Dies liegt an dem breit gefächerten Anwendungsspektrum der Anlagen. Vielfach wird der von den Betreibern angestrebte Produktivitätsstatus durch einen internen Investitionsstau ausgebremst, der erst langsam in den nächsten Jahren abgebaut werden muss. Branchentypisch hingegen scheint der Trend, die Vorteilhaftigkeit von alternativen Investitionen zunehmend über die Analyse der Total Cost of Ownership zu beurteilen. Dies wird in der Zukunft dazu führen, dass Anlagenausrüster vermehrt in die Verantwortung für (direkte oder indirekte) Teilbereiche der betrieblichen Leistungserstellung eingebunden werden. Dabei nimmt die Chemieindustrie eine Vorreiterrolle ein.

Die zunehmende Absicherung des Anlagenbetriebs über maßgeschneiderte Servicepakete oder langfristige Life-Cycle-Verträge zeigt auf, wie durch die intensive Zusammenarbeit von Anlagenbetreibern und Ausrüstern langfristige Wertschöpfungspartnerschaften entstehen. Diese schlagen sich in Wettbewerbsvorteilen nieder, die durch ein überlegenes Life-Cycle-Management ermöglicht werden.

Online-Info www.cav.de/0710400

Dr. Jörg Niemann

Dieser Artikel stammt aus Community-Indicator


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